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Wenn Träume wahr werden und was bleibt

Voriges Jahr sprach ich mit einer Freundin über meine Podcasts und die Menschen die ich interviewe. Irgendwie kamen wir dabei auch auf eines meiner größten Vorbilder, Jane Goodall zu sprechen und ich weiß nicht mehr genau wie es kam auf jeden Fall hatten Kathrin und ich plötzlich einen Deal und ich glaube mich zu erinnern das es von mir ausging. „Im nächsten Jahr werde ich Jane Goodall für einen Podcast interviewen.“ Ich war gut drauf an diesem Tag, einige liebe Freunde waren am Hof und ich glaubte wirklich daran das es wahr werden könnte.

 

Die größte Hürde die ich für mich selbst sah, waren meine vermeintlich unzureichenden Englischkenntnisse. Ich traute mir auf keinen Fall zu ein Interview in Englisch zu führen, nicht mit Lieschen Müller und schon gar nicht mit Jane Goodall. Die Chance zu einem Gesprächstermin mit Jane zu kommen standen nämlich gar nicht so schlecht. Ich arbeite seit 5 Jahren ehrenamtlich fürs JGI Austria, bin bei diversen Events dabei und verkaufe Merchandising Artikeln oder repräsentiere unseren Stand bei den Artenschutztagen in Schönbrunn. Deshalb war ich schon drei Mal dabei wenn Jane in Wien war, bei ihren Vorträgen und Lectures für SchülerInnen und StudentInnen. Das Institut in Wien besteht aus einem kleinen Power Damenteam die fix für das Institut arbeiten, der Rest der Helfer sind ehrenamtliche, so wie ich. Deshalb kenn ich natürlich alle Personen und ich hätte nur fragen müssen ob es bei ihrem nächsten Besuch in Wien die Möglichkeit gibt ein Interview mit Jane zu führen. Ich fragte aber (noch) nicht und wollte erst auf den richtigen Moment warten und wenn der nicht kommen würde, dann eben nicht. 

 

Aber er kam, in Form der Nachricht das Jane im September wieder in Wien sei. Und plötzlich war er da, der Impuls auf den ich gewartet hatte und ich setzte mich hin und schrieb eine mail an Doris Schreyvogel, eine der Geschäftsführerinnen. Fast umgehend kam die Antwort: „Gerne Elisabeth, ich werde schauen was sich machen lässt.“  Freude und Panik zugleich erfassten mich, denn von da an war ich mir relativ sicher das es klappen würde.

 

Dann begannen die wunderbaren Zufälle des Lebens ihren Lauf zu nehmen. Ich sollte vor dem Interview ein Kurzkonzept mit einer Beschreibung meiner Motivation und den Fragen an Jane Goodall verfassen die ihr bzw. dem Team in London dann vorgelegt werden sollten. Ich verfasste mein Exzerpt einmal in Deutsch und speicherte es am Computer ab. Kurz darauf bekam ich die Einladung von Claudia Kanz (Random Acts of Kindness) in ihr Ferienhaus nach Kärnten wo wir einen Podcast aufnehmen wollten. Als wir so plauderten über dies und das, Gott und die Welt kam die Sprache auch irgendwie  auf Jane Goodall und auch darauf das Claudia Englisch studiert hatte. Da auch die Chemie zwischen Claudia und mir von Beginn an stimmte bat ich sie um Hilfe bei der Übersetzung. Und wie ich es schon ahnte, sie war genau die richtige Person die sofort erfasste was mir wichtig war und was ich ausdrücken wollte. 

 

„Zufall“ Nummer zwei kam in Form eines posts von meiner Freundin Andrea Roschek, Obfrau der Pannonischen Tafel: „Ab sofort Englisch- und Rumänischnachhilfe geboten“ Schwuppdipupp und schon stand ich im Wohnzimmer der Tafel auf der Matte und lernte Edith eine ehem. Univ. Professorin für englische Litaratur und Autorin, aus Siebenbürgen kennen. Edith war ebnfalls genau die Person die ich brauchte um an meinem Selbstbewusstsein in Richtung Sprache zu arbeiten. Es machte mir unheimliche Freude mich mit ihr über alle möglichen Themen auszutauschen. Gleichzeitig hörte ich nur noch englischsprachige Podcasts und Hörbücher um mich bestmöglich auf das Interview vorzubereiten. In der Zwischenzeit hatte ich die fixe Bestätigung des Interviewtermins bekommen. 9. September in der Britischen Botschaft in Wien. 

 

Eine Woche vor dem großen Tag kam plötzlich auch die große Panik. „Würde ich das wirklich schaffen, kann ich das, was soll ich für Fragen stellen um sie nicht zu langweilen,  welche klugen Fragen könnte ich stellen die ihr noch nie jemand zuvor gestellt hat…..# Da ich mich selbst recht gut kenne uns schon ahnte das sowas passieren könnte,  hab ich mir selbst zwei Tage Eselwanderung mit Martin und Lucky in der Woche vor dem Interview gebucht.  Das hat zum Glück genauso funktioniert wie ich es mir erhofft hatte, ein paar Hundert Meter mit den Eseln und die Aufregung hatte sich auf ein ganz normales Maß reduziert. Man erfasst schnell wieder was wirklich wichtig ist wenn man mit Tieren unterwegs ist. 

 

Dann war er da, der große Tag und irgendwie empfand ich es als einen der wichtigsten Tage meines Lebens. Ich fühlte mich jedoch gut vorbereitet, die Nervosität und Aufregung war da, hielt sich aber in Grenzen. Als Gesprächseinstieg hatte ich einen Geschenkkorb mit Eiern inklusive einem Nanduei, Weintrauben und Äpfel sowie einen Strauß Pfauenfedern von unserem Hof vorbereitet.

 

Ich wartete relativ lange auf Jane, plauderte in der Zwischenzeit mit einer Vertreterin des JGI Schweiz und bis Jane dann plötzlich in der Tür stand und ich keine Zeit mehr hatte nervös zu werden. Sie war viel kleiner als ich es in Erinnerung hatte, sehr zart und irgendwie hatte ich sehr stark das Bedürfnis sie zu beschützen. Gerade vor mir war ein ORF Interview gewesen, dann mein Interview und am Nachmittag ging es weiter nach Baden zum nächsten Event bei dem Jane Ehrengast war. Was für ein Leben, welche unermüdliche Energie für das einzustehen und einzutreten was man für richtig hält. 

Wir setzten uns zum Interview und ich atmete tief durch, öffnete mein Herz und begann zu sprechen. Es fühlte sich sehr natürlich an und ich versuchte mehr zu fühlen als zu denken. Jane Goodall ist in vieler Hinsicht ein Vorbild für mich. Ich finde es faszinierend das sie mit ca. 50 Jahren aus ihrem paradiesischen Leben das sie sich immer gewünscht hatte, als Forscherin in Afrika mit den Schimpansen im Dschungel, heraustrat um Aktivistin zu werden und mit einem holistischen Ansatz für eine bessere Welt einzutreten. Dieser großartigen Frau gegenüber zu sitzen, in ihre Augen zu schauen, sie zu spüren war für mich ein sehr großer Moment. Ich fragte sie nach ihren Anfängen als Aktivistin, welche Rolle Frauen ihrer Meinung nach spielen im Bezug auf die Rettung der Welt und was sie Menschen mitgeben möchte die ebenfalls aktiv werden möchten. Am Schluss fragte ich sie noch was sie gerne sagen würde, das ich nicht gefragt habe und sie antwortete mit meinem Lieblingszitat von ihr. „Jeder einzelne von uns kann etwas verändern, an jedem einzelnen Tag.“ Und als ich das Mikro schon abdrehen wollte fügte sie noch hinzu: „Esst kein oder zumindest weniger Fleisch, das würde die Welt in vielerlei Hinsicht retten. Weniger Methangasausstoß, keine Gülleseen mit den Ausscheidungen von Tieren, kein Abbrennen von Regenwäldern um Soja und Getreide als Tierfutter zu pflanzen und natürlich keine grausame Massentierhaltung mehr.“ Tja, da sprach sie mir aus dem Herzen…

 

Nach dem Interview plauderten wir noch ein bisschen über das mitgebrachte Nanduei, ihre weiteren Stationen… China, Schweiz… 300 Tage im Jahr und dann verabschiedete ich mich. Ich war ein bisschen benommen und irgendwie fühlte ich mich leer, aber damit hatte ich schon gerechnet. Oft in meinem Leben war es schon so wenn etwas ganz Großes, auf das ich mich schon lange vorbereitet hatte dann stattfand und schließlich vorbei war, blieb eine große Leere. Ich füllte sie ganz bewusst und klassisch mit einem riesigen getoasteten veganen Sandwich in einem neuen Sandwichshop im 3. Bezirk und hinterher noch mit einer Packung Lebkuchenknöpfe mit Powidlfüllung. Damit hatte ich die Leere erfolgreich bekämpft und mir war schlecht. Auch damit hatte ich gerechnet aber billigend in Kauf genommen. Manchmal braucht man das einfach.

 

Ich verbrachte weitere zwei Tage im Umkreis von Jane während ihres Besuchs in Wien. Ich war bei den Vorbereitungen zu ihrem Vortrag in der Meinl Rösthalle dabei und natürlich auch bei der Veranstaltung selbst. Außerdem im Wiener Rathaus als sie eine Lecture für 800 SchülerInnen hielt. Auch wenn ich sie mittlerweile schon oft live gesehen habe, Interviews kenne und ihre Filme gesehen habe ist es kein bisschen langweilig. Immer wieder zieht sie ihr Publikum und auch mich in ihren Bann. Man lauscht ihrer Geschichte als würde man sie zum ersten Mal hören und sie erzählt sie auch als würde sie sie zum ersten Mal erzählen.  Sie ist unglaublich diese Frau.

 

Nach den drei Tagen im Umkreis von Jane kam allerdings auch ein riesige dunkle Wolke, genannt Weltschmerz. Zu sehen, wie diese alte Frau Tag für Tag ihr ganzes Leben der Rettung der Welt widmet, versucht Menschen aufzurütteln und sie zum Handeln zu bewegen und dann wieder in die Realität einzutauchen war mehr als ich ertragen konnte. Ständig trieb es mir die Tränen in die Augen wenn ich die Nachrichten hörte, Wahlplakate sah diese unglaubliche Gleichgültigkeit mit der so viele Menschen leben. „Was hat das alles für einen Sinn?“ frage ich mich auch heute, einen Tag später noch. Die meisten Menschen leben in den Tag hinein, ohne Bewusstsein was sie mit ihren täglichen Entscheidungen bewirken. Was nützt es wenn einige wenig Freaks sich bemühen wenn der Großteil der Menschen so gleichgültig ist und sich primär am eigenen Vorteil orientiert. Was nützen kleine Veränderungen wenn es 5 Minuten vor 12 ist. Es braucht radikales Umdenken wenn wir die Welt auch für die nächsten Generationen noch lebenswert machen wollen. Unsere Politik, bei der es nur darum geht wer sich besser darstellt, ohne Inhalte ohne Rückgrat ohne Entscheidungen die dringend notwendig sind aus Angst die Machtposition zu verlieren. Menschen die Handlungen und Entscheidungen nicht für das Volk sondern aus reinem Egoismus, Selbstdarstellung und Machtbesessenheit treffen. Viele dieser Menschen führen unser Land und der Gedanke daran ist manchmal unerträglich.

 

 

Trotzdem ist Aufgeben keine Option. Einfach gar nichts machen geht nicht und deshalb werde ich weiter versuchen im Rahmen meiner Möglichkeiten zu tun was geht. Selbst so nachhaltig wie möglich leben und auch andere Menschen davon überzeugen das ein nachhaltiger Lebensstil in kein Verzicht sondern eine Bereicherung in jeder Hinsicht ist. 

 

In unserem Haus hängt schon seit 4 Jahren ein Plakat von Jane mit einem Autogram und einer Widmung. Daran gehe ich jeden Tag mehrmals vorbei und versuche es bewußt wahrzunehmen:

 

"For Elisabeth Follow your dreams" 

Du kannst etwas verändern - jederzeit

 

Das Interview mit Jane wird Ende September als  Podcast veröffentlicht und in meiner Radiosendung IMPULS Radio im freien Radioop zu hören sein.

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