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So entstand die Idee zu Nachhaltig im Burgenland

Im Sommer dieses Jahres gab es einen Tag, an dem viele meiner Freunde auf Facebook Bilder und Texte über eine neuerliche menschliche Katastrophe im Mittelmeer berichteten. Das war ja eigentlich nichts Neues, was mich diesmal aber besonders traf war, dass die Helfer für ihre Rettungsaktionen angegriffen und sogar angeklagt wurden. Das war für mich so der Auslöser für den Gedanken: „Ich habe genug, ich muss etwas tun!“

 

Meine Gedanken kreisten darum, was denn alles möglich sei und warfen mich aber immer wieder darauf zurück, dass ich nur in meinem eigenen Umfeld etwas bewegen könnte und von da aus dann vielleicht mehr. Gleichzeitig überlegte ich, dass andere Menschen wahrscheinlich dieselben Gedanken haben, sich hilflos und ohnmächtig fühlen und gerne etwas tun würden. 

 

Also gründete ich als ersten Schritt einmal die Facebook Gruppe „whatcanido“.  Was können wir tun, was ist möglich, welche Ideen gibt es … mit dem Anspruch nicht gegen etwas zu sein, sondern dafür. Sehr schnell fanden sich ein paar Interessentinnen, die der Gruppe beitreten wollten, viele mir schon bekannte Gesichter und auch Beatrix Altendorfer aus Graz, die ich noch nicht kannte. Ich bat jedes neue Mitglied in der Gruppe sich vorzustellen und Bea erzählte ihre Geschichte:

 

 What can I do? – das habe ich mich auch gefragt, zunächst leider lange Zeit hilflos, weil ich dachte, ich hätte ja komplett die falsche Ausbildung dazu … später dann aber immer konkreter (so in der Art ich MUSS was tun“). Der Lehrgang Ich habe genug“ vom Verein SOL hat mich wohl im richtigen Moment erwischt und so wurde aus einzelnen Gedanken ein immer dringender Wunsch, mehr zu bewirken, als nur im eigenen Zuhause nachhaltig zu leben. Indem ich vom Sharing-Gedanken so begeistert bin, habe ich zunächst mit Foodsharing begonnen, bei unserer Pfarre gefragt, ob sie nicht ein offenes Buchregal aufstellen mögen, etc … all diese schnellen Erfolge ermutigten mich. Immer mehr nahm ich aber gleichzeitig auch wahr, dass die Grazer und Grazerinnen von den vielen Möglichkeiten, die es bereits gibt, einfach nichts oder nur wenig wissen. Dieses Informationsmanko wollte ich füllen und über Anfänge mit Facebookgruppen wie zB Zero Waste Graz“ oder Offene Bücherregale Graz & Graz-Umgebung“ wurde die Idee konkreter, eine eigene Informationshomepage zu schaffen. In der Facebook-Gruppe Zero Waste Graz“ fand sich Andrea Breithuber, mit der ich Mitte Februar 2017 (am Tag nachdem ich sie erstmals kennen lernte) startete und Nachhaltig in Graz“ gründete. Wir haben einfach mit Feuereifer losgelegt (Andrea hat selbst schon Blog-Erfahrung mitgebracht) und nicht viel nachgedacht (haben erst später einen Verein gegründet, machen die Sache aber noch immer ehrenamtlich). Und das Echo war enorm positiv. So wurden wir 2017 unter anderem sogar mit dem Österreichischen Klimaschutzpreis ausgezeichnet. Auf unserer Seite geht uns die Arbeit nicht aus, Graz ist eine Stadt mit richtiger Größe und es gibt noch so viel vorzustellen. Auf unserer Homepage gibt es daher viele nachhaltige Einkaufstipps, Reparaturtipps, wo kann man Second Hand kaufen? Wo gibt es Milchautomaten? Wo findet man die über 70 (!) offenen Bücherregale in Graz? Auch der Terminkalender, den wir befüllen, ist ein Magnet. Besonders wichtig ist uns, die richtige Kombination aus Information, Aufrütteln und Motivation zu finden. Als selbst nach Graz Zugereiste, weiß ich, dass man zwar alle Informationen irgendwie und irgendwo findet, dies aber enorm viel Zeit in Anspruch nimmt. Wer tut sich das schon an? Bei uns gibt es diese Info geballt. Wenn es die Zeit zulässt, dann versuchen wir auch verschiedene Veranstaltungen zu organisieren und dort möglichst viele Menschen zu informieren. Sharing und Verschenken liegt uns sehr am Herzen, sind dies doch einfache aber effektive Akte der Ressourcenschonung. So gibt es immer wieder Kleidertausch- oder Verschenkevents unser neuestes Baby ist ein wöchentlicher Outdoor-Verschenktag über die Sommermonate. Besonders schön ist es, dass wir immer öfter kontaktiert werden, alt und jung, weiblich (hauptsächlich) aber auch männlich, Menschen, die mithelfen wollen, die ihre Freizeit sinnvoll verbringen wollen und auch etwas tun wollen“. Genau wissen wir noch nicht, wohin unser Weg führt (schließlich sind wir wirklich die vollen Quereinsteigerinnen), aber wir lassen uns einfach treiben, die Ideen fliegen uns ohnehin momentan nur so zu und wenn wir mehr werden, kann jeder seine Stärken einsetzen. Und ebenfalls freut mich, immer wieder zu erfahren, dass ich nicht alleine bin, dass schon viele auf dem Weg sind das gibt sehr viel Hoffnung und Motivation. Danke daher für alle in dieser Gruppe - ich freue mich!  Gleichzeitig bin ich immer auf der Suche und sammle laufend Tipps, wie wir noch oder noch besser motivieren können - da sauge ich dankbar alles auf. 
Und: Vielleicht könnte sich ja jemand für andere Städte auch so eine Informationsseite vorstellen? Es ist absolut nicht so schwierig, wie ich anfangs befürchtete und macht riesigen Spaß!“

 

Tja, ich habe ca. 5 Minuten gebraucht, um mir die Seite www.nachhaltig-in-graz.atanzusehen, die Idee grandios zu finden und Bea zu kontaktieren, um ihr zu sagen, dass ich etwas Ähnliches gerne fürs Burgenland starten würde. 

 

Und kurze Zeit später, nach einem Besuch in Graz bei Bea und Andrea an einem Verschenkmarkt-Tag, stand das Grundgerüst für „Nachhaltig im Burgenland“ und ich legte ebenfalls mit Feuereifer los.

 

Ich befülle die Seiten (Plattform im Netz www.nachhaltig-im-burgenland.atund die dazugehörige Facebook und Instagram Seite) ehrenamtlich und in den ersten beiden Monaten war es mehr als ein Vollzeit Job. Ich habe versucht, so schnell wie möglich so viele Unternehmen und Initiativen einzutragen, um die Seite für Besucher attraktiv zu machen. Die Anstrengungen wurden durch die Freude die es macht, zu sehen wie viele Möglichkeiten es bereits gibt, um im Burgenland gut und nachhaltig zu leben, ausgeglichen. Momentan sind ca. 200 Einträge auf der Seite und täglich werden es mehr. Im dazugehörige, Online Magazin auf der Startseite berichte ich laufend über aktuelle und nachhaltige Themen, Neuigkeiten oder von persönlichen Besuchen in Unternehmen oder bei Projekten.

 

Gleichzeitig habe ich mich auch bei Bea nach dem Kurs „Ich habe genug“ erkundigt, dessen Titel mich schon mal sehr angesprochen hat. „Ich habe genug“ spricht mich in jedem Sinn dieses Satzes an. Jetzt bin ich gerade dabei, den Fernlehrgang zu machen, freu mich sehr über den Austausch in unserer virtuellen Klasse und bin gespannt, was sich daraus noch alles für mich entwickeln wird. Eine Teilnehmerin aus Baden hat sich bereits erkundigt, ob es eine „Nachhaltig in ….“ Seite schon für Niederösterreich gibt, weil ihr die Idee ebenfalls sehr gut gefällt und sie überlegt, auch ein Projekt zu starten. 

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