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Alternativen in der Viehwirtschaft

 

Gerde bin ich von meiner ersten dreitägigen Eseltour in diesem Jahr zurückgekommen. Ausgestattet mit genügend Verpflegung und Zelt bin ich  diesmal mit Lucky und Martin von zuhause aus gestartet mit dem Plan eine Runde durch die Bucklige Welt zu wandern. So ging es vom Hof-Sonnenweide in Weppersdorf zur Ruine Landsee, dann weiter über Blumau nach Stang, wo ich zum ersten Mal übernachtet habe, dann nach Tiefenbach, über Bad Schönau weiter nach Kirchschlag bis zur Gaißmühle bei Lembach. Dort verbrachten wir die zweite Nacht am wunderbaren Pfadfinderlagerplatz mitten im Wald und gingen am nächsten Tag wieder über Weingraben, Kaisersdorf und Lindgraben retour zum Hof. 

 

Die Bucklige Welt kannte ich bis dato nur von Autofahrten her, wenn man zu Fuß unterwegs ist nimmt alles gleich eine andere Perspektive an. „Wunderschöne Landschaft“ habe ich mir immer gedacht und das sehe ich auch jetzt noch so. Was ich aber bis zu meiner Wanderung nicht wahrgenommen haben sind die zahlreichen Viehwirtschaftsbetriebe die es in der Gegend gibt. Vorwiegend Milchwirtschaft aber auch vereinzelt Rinderzucht zur Fleischverarbeitung. Umgeben von weiten, grünen Wiesen steht auf jedem Hügel ein riesiger Betrieb. Bei vielen ist zu sehen dass gerade dazugebaut bzw. die Anlagen erweitert werden. Alles sieht von der Ferne sehr malerisch aus, was mir aber aufgefallen ist das kaum Rinder auf den wunderbaren Weiden zu sehen waren. Stattdessen wurde überall gerade der erste Schnitt gemäht, zahlreiche Traktoren überholten mich mit den Eseln, die meisten winkten freundlich. 

 

Da Martin und Lucky schon sehr müde waren und nur mehr sehr langsam dahintrotteten versprach ich ihnen beim nächsten Hof wegen einer Übernachtung zu fragen. Ich hatte Glück, es war einer der wenigen Betriebe, bei dem die Kühe gerade auf der Weide grasten. Das war mir sehr symphytisch und da auch der Bauer gerade vor seiner Einfahrt stand fragte ich ob ich mit den Eseln bei ihm übernachten dürfe. Wahrscheinlich ein bisschen überrumpelt sagte er schnell zu.  Martin und Lucky durften auf eine ungenutzte Rinderkoppel. Davor stand ein schöner Kirschbaum unter dem ich mein Zelt aufschlug um die Esel auch während der Nacht gut im Blick zu haben.  

Ich stand noch ein bisschen bei der Bauernfamilie und deren Bekannten, hörte den Gesprächen zu und plauderte selbst ein wenig. Ich erfuhr, dass der Hof schon seit etlichen Generationen im Familienbetrieb sei, gerade habe der Enkelsohn und seine Freundin die Wirtschaft übernommen. Man sprach darüber wer sich einen Melkroboter angeschafft hätte, wo dazugebaut wurde, wie es mit dem Heu steht, wo und wie und wann gemäht werden sollte. 

 

In der Nacht hörte ich abwechselnd von vielen der Höfe in der Umgebung ein Brummen als sich verschiedene Geräte offenbar einschalteten. Was das Geräusch verursachte konnte ich nicht genau herausfinden.  Um 5.15 Uhr  ging es auf jeden Fall mit der Melkmaschine bei meinen Gastgebern los. 

 

Ich krabbelte auch aus dem Zelt, packte meine Sachen und ging in den Stall um mich zu verabschieden. Da standen die Kühe und fraßen Silage und in einem etwas separaten Bereich standen in winzigen Verschlägen die Kälber getrennt von den Müttern.  

Obwohl diese Bauernfamilie schon wesentlich mehr macht als die meisten anderen konventionellen Betriebe, indem sie ihre Kühe tagsüber auf eine Weide lassen, bleibt es dennoch eine Tatsache das auch diese Hochleistungskühe jedes Jahr künstlich besamt werden, das Kalb sofort von der Mutter weggenommen wird damit deren Milch den Menschen zugute kommt. Ist das Junge ein Stier wird es bald geschlachtet, ist es eine Kuh kommt sie bald in den selben Kreislauf wie die Mutterkuh. Das ist bei der Bio-Landwirtschaft genauso, hier kommt aber ein verpflichtender Freigang für die Kühe dazu, was bei der konventionellen Landwirtschaft nicht der Fall ist.

 

Deshalb sieht man auch kaum mehr Kühe auf den Weiden. Es ist zu aufwendig sie nach dem Melken hinauszutreiben, am Nachmittag wieder in den Stall zum zweiten Melkgang zu holen und sie dann wieder hinauszuschicken. Viel einfacher ist es das Futter zu mähen, die Rinder im Stall zu lassen und ihnen dort das Futter zu geben.

 

Und dabei ist es nicht so das sich die Landwirte dann auf die faule Haut legen. Nein im Gegenteil, die meiste arbeiten von früh bis spät, oft ohne freie Tage und trotzdem finanzieren sich die neuen Anlagen nur über Förderungen und Kredite die abhängig machen. Gibts es da andere Möglichkeiten für Menschen und Tiere?

 

Aber was ist die Alternative? 

 

Ich habe keine Lösungsvorschläge für alle Betriebe die sich auf tierische Produkte spezialisiert haben oder aus jahrzehntelanger Tradition daran festhalten und für sich selbst gar keine andere Möglichkeit mehr sehen als weiterzumachen. Aber ich habe selbst einige Dinge ausprobiert wie man ohne „Nutztiere“ seinen Lebensunterhalt verdienen kann und kenne mittlerweile auch einige Betriebe die das ebenfalls tun.

Schauen auf das was geht, ist für mich die einfachste Möglichkeit. Wo gibt es schon Betriebe die komplett umgestellt haben? Wie z.B. „Rinderwahnsinn“ im Waldviertel. Ein ehemaliger Erzeuger von hochwertigem Bio-Rindfleich von Hochlandrindern der nun schon seit einigen Jahren umgestellt hat auf Patenschaften, Führungen und verschiedene Events und keine Tiere mehr schlachtet. Oder unseren Hof-Sonnenweide, der mit Schule am Bauernhof, einer Jausenstation,  Kindergeburtstagen, Familienführungen, Bauernhoftagen, Übernachtungen im Hippie-Bus und schließlich Patenschaften ebenfalls so viel abwirft dass wir unsere Tiere finanzieren können ohne sie zu „nutzen“.  Oder verschiedene Modelle der alternativen Landwirtschaft wie z.B. eine SoLaWi (Solidarische Landwirtschaft) die immer mehr entstehen. Entweder in Reinform oder abgewandelt und kombiniert wie z.B. mit einem Market-Gardening System.  

 

Das alles funktioniert jetzt schon, mit den bestehenden gesetzlichen Rahmenbedingungen. Diese könnten natürlich verbessert werden und die Förderungen die jetzt in das „tote Pferd“ industrielle Landwirtschaft gepumpt werden könnten für neue alternative Formen verwendet werden. Aber die zahlreichen Beispiele, die es in fast jeder Region bereits gibt beweisen das man es auch selbst schaffen kann sich unabhängiger zu machen. Sanfter Tourismus, ein Schlagwort aus den 90iger Jahren, als ich noch meine Hotelfachschule machte, regionales Anbieten von Obst und Gemüse, Direktvermarkten usw…. es fallen mir so viele positive Beispiele ein.

 

Stellt Euch vor, ein Bauernhof mit kälberfreundlicher Milchwirtschaft (ja das gibt’s wirklich) oder mit Mutterkuhhaltung mit Weidewirtschaft der auch gleichzeitig die Möglichkeit für Familienausflüge bietet. Mit Jausenstation und den eigenen Produkten, mit Besuch bei den Mutterkühen mit ihren Kälbern, füttern und Informationen über Rinder. Übernachtungsmöglichkeiten bei der Kuhweide im Zelt oder im adaptierten Bauwagen, es gibt so viele coole Alternativen und viele Menschen suchen genau dieses Besondere. Ein wunderbares Beispiel dafür bietet der Schokoladenhersteller Zotter, mit seinem „Essbaren Tiergarten“. Da wird nichts beschönigt, im Restaurant gibt’s Produkte aus dem eigenen Garten und das inkludiert auch die Tiere. Das Konzept kommt gut an und die Besucher können mit den Tatsachen offenbar auch umgehen. 

Ich denke es wäre ein guter Zeitpunkt umzusteigen und wir alle können etwas dazu beitragen den bestehenden landwirtschaftlichen Betrieben bei der Umstellung zu helfen. Zeigen wir wo es geht auf Alternativen, nicht mit dem Zeigefinger sondern indem wir davon erzählen was alles geht. Ich denke das sehr viele Viehbauern v.a. die jüngere Generation mit der derzeitigen Situation auch nicht zufrieden ist. Die ständige Abhängigkeit von Förderungen, der unglaubliche Arbeitsaufwand der sich monetär nur über die „Masse“ rentiert, und die ständige Unsicherheit wie es weitergehen wird wenn der Klimawandel voranschreitet und die zunehmende Trockenheit die Futtermöglichkeiten der Tiere reduziert. 

Es gibt Alternativen, ich kennen schon einige und stellt Euch vor jeder Landwirt überlegt sich neue Konzepte. Was da für Ideen und Möglichkeiten entstehen könnten ist nicht auszudenken. 

 

Nicht von heute auf morgen aber einfach mal beginnen herkömmliche Systeme zu hinterfragen und Neues probieren. Das wünsche ich mir. 

 

Autorin: Elisabeth Nussbaumer

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